UARRR (mit drei R) hat einen virtuellen Lesezirkel ins Leben gerufen. Damit wir alle wieder mehr lesen. Ob so richtig Print mit Seiten und Blättern und so, oder iPad, Kindle und Co, hauptsache wir lesen wieder mehr. Wegen der Bildung und so.
Das erste Buch hat UARRR dann direkt selbst ausgewählt: Der Kool-Aid Acid Test [amazon Partner-Link] von Tom Wolfe.
Da ich zu der altmodischen Sorte gehöre, die Bücher lieber so gedruckt liest, habe ich mir das Buch bei amazon bestellt. (Es gibt Gerüchte, dass der Lesezirkel das Buch gehypt hat und es sogar kurzzeitig zum Ausverkauf des Buches bei amazon kam. Cool wäre das ja)
02. Juni 2010, 13:30 Uhr, Mittagspause
Ich bin aufgeregt. Ein neues Buch und ich muss es lesen. In einem Monat. Ist ja eigentlich nicht so schwer für mich. Aber zuhause liegt “Kafka am Strand [amazon Partner-Link]” von Haruki Murakami und das muss ich ja auch noch lesen.
Ich lese die ersten Seiten und bin verwirrt. Ich habe mich niemals mit Ken Kesey beschäftigt und “Einer flog übers Kuckucksnest” habe ich mir bisher auch in keiner medialen Form angetan. Wer ist dieser Kesey und diese komischen Gestalten, die ihn abholen? Schnell wird klar, irgendwie dreht sich alles um Drogen. Chemische Drogen, mit denen ich mich nicht auskenne.
06. Juni 2010, in einem Garten
Ich bin noch immer verwirrt. Der Schreibstil scheint mir vermitteln zu wollen, wie man auf diesen chemischen Drogen denkt und die Umwelt wahrnimmt. So ganz weiß ich nicht, was grade passiert. Ich weiß nicht, ob das Kapitel ein Rückblick ist und wer die ganzen Leute sind, von denen gesprochen wird. Man fühlt sich ein wenig wie auf einer privaten Party wo man niemanden kennt. Und immer wieder schwirren die Sätze im Raum: “Und weißt du noch damals, wie der Klaus… Ja, genau. Das war der Oberknaller!” Man steht daneben, hält sich an seinem Bier fest und fragt sich, wer zur Hölle Klaus ist.
08. Juni 2010, Mittagspause
Zwischendurch scheine ich den Faden wiederzufinden. Es geht um eine Bewegung. Eine Bewegung auf Drogen. Die Drogentripps werden so detailliert beschrieben, dass mir klar wird, warum ich von sowas noch nie was gehalten habe. Kesey und seine Meute kommen mir langsam vor, wie eine abstruse Sekte, Hippies die ich nur aus “Forrest gump” kenne. Ich bin im Buch mittlerweile soweit vorangekommen, das ich weiß, das es ein harter Kampf wird, es bis zum Ende zu lesen. Ich schaffe es nicht eine Beziehung zur Geschichte oder einer der Figuren aufzubauen. Es ist alles so fremd, wie ein Paralleluniversum.
09. Juni 2010, Mittagspause
Johnny Depp hat Geburtstag. Hätte ihm gern gratuliert, aber er ist nicht ans Telefon gegangen. Im Buch haben sie nun endlich ihren Bus. Einen Bus, mit dem sie quer durchs Land fahren wollen. Ich habe Hoffnung, vielleicht verstehe ich jetzt, worum es geht. Mich verwirrt noch immer die Erzählperspektive. Zu Beginn gab es den Ich-Erzähler, der Kesey kennenlernen wollte. Doch der ist weg. Er war ja nicht dabei. Er gibt nur wider, wie das alles damals gewesen ist. Aber aus der universalen Sicht, die einfach nicht zu passen scheint. Ich schüttle nur den Kopf.
11. Juni 2010, Mittagspause
Ich kann mich nicht aufraffen, das Buch öfter zur Hand zu nehmen. Es gefällt mir nicht, ich werde damit einfach nicht warm. Positiv fällt mir auf, dass neben den halluzinatorischen Drogentrips auch die ersten Abstürze dokumentiert werden. Keine Hymne an die chemischen Drogen, immerhin. Eine Meute Menschen fahren mit einem Bus, es ist eine Art Kunstprojekt. Glaube ich zumindest. So ganz weiß ich es nicht.
18. Juni 2010, Mittagspause
Ich gebe auf. Ich will das Buch nicht weiterlesen. Auf Seite 137 hisse ich die weiße Flagge. Dieses Buch verwirrt mich zu sehr, als das ich es weiterlesen möchte. Ich mag die Geschichte nicht, ich mag die Drogen nicht und ich kann schon gar nicht nachvollziehen, warum die ganzen Leute in dem Bus sich sowas reinpfeifen.
Fazit
Ich glaube nicht, dass das Buch schlecht ist. Mit Sicherheit nicht. Aber es ist keine leichte Kost. Vielleicht hat meine nicht vorhandene Drogenerfahrung mich daran gehindert richtig in die Geschichte einzusteigen. Ich habe mich nicht um Ken Kesey gekümmert. Ich weiß nichts über ihn, genauso wenig über seine Bücher. Vielleicht wäre das Buch dann interessanter. So bleibt es für mich ein Buch über einen Roadtrip mit abgefuckten Leuten, die glaubten, durch Drogen nicht nur ihren Geist zu erweitern, sondern auch ihre Umwelt zu ändern.